Manfred Börgens
Mathematik auf Briefmarken  # 136
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Marke Imbens

Guido Imbens

Zentralafrikanische Republik 2021


Mathematiker, die einen Nobelpreis gewonnen haben

Bekanntermaßen gibt es keinen Nobelpreis für Mathematik  -  statt dessen werden der Abel-Preis, die Fields-Medaille und andere Auszeichnungen verliehen. Aber zahlreiche Mathematiker haben einen Nobelpreis erhalten. Alle Preise außer dem Friedensnobelpreis gingen bereits an Mathematiker, also für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft. In einer losen Reihe sollen diese Preisträger hier von Zeit zu Zeit vorgestellt werden.

Naturgemäß haben die Mathematiker, die einen Nobelpreis verliehen bekamen, weitere Meriten in einem anderen Gebiet erworben. Oft handelt es sich um Wissenschaftler, die sich nach ihrem Mathematikstudium einem naturwissenschaftlichen Anwendungsgebiet zugewandt haben. Am häufigsten findet man jedoch Mathematiker unter den Preisträgern des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften.

In diese Reihe sollen auch Wissenschaftler aufgenommen werden, die aus anderen Disziplinen stammen, aber wichtige Beiträge für die Mathematik geliefert haben.

Die Reihe ist dadurch limitiert, dass es nicht von allen Nobelpreisträgern Briefmarken gibt. Aber erfreulicherweise kommen immer noch neue hinzu.

  Marke Nobel Schweden
  Schweden 2001   Michel 2224   Scott 2415a
        →   Folge 1   Russell   (Literatur)
        →   Folge 2   Bardeen   (Physik)
        →   Folge 3   Tinbergen   (Wirtschaft)
        →   Folge 4   Cormack   (Medizin)
        →   Folge 5   Lorentz   (Physik)
        →   Folge 6   Solschenizyn   (Literatur)
        →   Folge 7   Echegaray   (Literatur)
        →   Folge 8   Einstein   (Physik)
        →   Folge 9   Penrose   (Physik)
        →   Folge 10   Ross   (Medizin)
        →   Folge 11   Aumann   (Wirtschaft)
        →   Folge 12   Feynman   (Physik)



Folge 13    Guido Wilhelmus Imbens
           (*1963, Nobelpreis für Wirtschaft 2021)

Guido Imbens ist ein niederländisch-amerikanischer Professor für Ökonometrie an der Universität Stanford in Kalifornien.

Die Ökonometrie gehört zum Bereich der angewandten mathematischen Statistik. Frühe Vertreter dieses Forschungsgebietes, u.a. die Nobelpreisträger Ragnar Frisch und Trygve Haavelmo, führten ab den 1930-er Jahren das Werkzeug der statistischen Analyse in die Wirtschaftswissenschaften ein, um mathematische Theorien über ökonomische Zusammenhänge mit Hilfe umfangreichen Datenmaterials zu generieren und zu überprüfen.

Guido Imbens deckt mit statistischen Methoden, die er zum Teil selbst entwickelt hat (z.B. Local Average Treatment Effect, zusammen mit Joshua Angrist), kausale Beziehungen mittels natürlicher Experimente auf. Wichtig ist hierbei die Kausalität im Gegensatz zu rein korrelativen Beziehungen. In den Wirtschaftswissenschaften, der Medizin und den Sozialwissenschaften ist man naturgemäß an Ursache-Wirkung-Zusammenhängen interessiert  –  allerdings kann man das durchaus auch als ein Anliegen der angewandten Statistik insgesamt auffassen.  –  Das "natürliche" der verwendeten experimentellen Konzepte bezieht sich auf die Einteilung in Experimentalgruppe (Einflussfaktor X liegt bei diesen Personen vor) und Kontrollgruppe (X liegt nicht vor): X wird hier nicht durch einen Versuchsleiter bei zufällig ausgewählten Personen angewendet (was bei vielen Untersuchungen technisch oder aus ethischen Gründen nicht möglich ist), sondern X wird in Feldstudien bei einer Subpopulation beobachtet (Experimentalgruppe) und tritt bei einer anderen Subpopulation nicht auf (Kontrollgruppe). Die beiden Subpopulationen müssen dabei in möglichst jeder Hinsicht vergleichbar sein, mit Ausnahme von X. Als Beispiel möge die Einführung eines neuen Schulbuchs in einer Region (Experimentalgruppe) dienen, das nicht in der vergleichbaren Nachbarregion (Kontrollgruppe) eingeführt wurde. Statistisch signifikante Unterschiede im Lernerfolg werden dann einer konkreten Ursache, nämlich dem Schulbuch, zugeschrieben.

2021 erhielt Guido Imbens den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Er teilte sich eine Hälfte des Preises mit Joshua Angrist; die andere Hälfte erhielt David Card. Imbens und Angrist wurden für ihre "Beiträge zur Analyse kausaler Zusammenhänge" geehrt.


Publiziert 2026-03-25          Stand 2025-01-22


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