Manfred Börgens
Mathematik auf Briefmarken  # 105
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Marke Solschenizyn

Äquatorial-Guinea 1974   Michel 394   Scott 7488


Mathematiker, die einen Nobelpreis gewonnen haben

Bekanntermaßen gibt es keinen Nobelpreis für Mathematik  -  statt dessen werden der Abel-Preis, die Fields-Medaille und andere Auszeichnungen verliehen. Aber zahlreiche Mathematiker haben einen Nobelpreis erhalten. Alle Preise außer dem Friedensnobelpreis gingen bereits an Mathematiker, also für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft. In einer losen Reihe sollen diese Preisträger hier von Zeit zu Zeit vorgestellt werden.

Naturgemäß haben die Mathematiker, die einen Nobelpreis verliehen bekamen, weitere Meriten in einem anderen Gebiet erworben. Oft handelt es sich um Wissenschaftler, die sich nach ihrem Mathematikstudium einem naturwissenschaftlichen Anwendungsgebiet zugewandt haben. Am häufigsten findet man jedoch Mathematiker unter den Preisträgern des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften.

In diese Reihe sollen auch Wissenschaftler aufgenommen werden, die aus anderen Disziplinen stammen, aber wichtige Beiträge für die Mathematik geliefert haben.

Die Reihe ist dadurch limitiert, dass es nicht von allen Nobelpreisträgern Briefmarken gibt. Aber erfreulicherweise kommen immer noch neue hinzu.

Auf der Marke rechts sieht man die Nobel-Medaille (hier für Literatur), die den Geehrten verliehen wird.
  Nobel-Medaille
  Monaco 1983   Michel 1605   Scott 1395
        →   Folge 1   Russell   (Literatur)
        →   Folge 2   Bardeen   (Physik)
        →   Folge 3   Tinbergen   (Wirtschaft)
        →   Folge 4   Cormack   (Medizin)
        →   Folge 5   Lorentz   (Physik)



Folge 6    Alexander Solschenizyn, zum 100. Geburtstag
           (1918 - 2008, Nobelpreis für Literatur 1970)


Alexander Solschenizyn war einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er schrieb überwiegend politische und historische Romane, Erzählungen und Dokumentationen, in denen er u.a. seine Erlebnisse als politischer Gefangener in sowjetischen Arbeitslagern und in der Verbannnung darstellte.

Solschenizyn war auch Mathematiker. Er studierte vor dem 2. Weltkrieg Mathematik an der Universität Rostow sowie Philosophie in einem Fernstudium. Wegen Militärdienst, Arbeitslager und Verbannung nach Kasachstan konnte er von 1941 bis zu Stalins Tod 1953 seinen Beruf nicht ausüben. Seine Verbannung wurde 1953 zunächst nicht aufgehoben, aber er erhielt eine Anstellung als Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie. Solschenizyn schrieb "Ich - in einer Klasse, die Kreide in der Hand! Das war er, der Tag meiner Befreiung ...". Nach der Aufhebung seiner Verbannung 1957 setzte er seine Lehrtätigkeit in Rjasan fort. Solschenizyns zweite Ehefrau Natalia Dmitrievna Svetlova war ebenfalls Mathematikerin.

Seit jungen Jahren, auch während seiner Zeit als Mathematiklehrer, arbeitete Alexander Solschenizyn im Geheimen als Schriftsteller. Dies geschah nicht allein aus Neigung zur Literatur, sondern auch, weil er Verantwortung empfand, die Gräueltaten des Sowjetsystems zu dokumentieren und für die Nachwelt zu erhalten. Erst Ende 1962 konnte Solschenizyn seinen Roman Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch veröffentlichen. Später fiel er erneut in Ungnade und wurde 1974 aus der UdSSR ausgewiesen; erst 1994 kehrte er nach Russland zurück.


Publiziert 2018-10-23          Stand 2018-01-04


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